Friday, 14. january 2011 5 14 /01 /Jan. /2011 08:03

 

 

 

Die Reiseberichte in diesem Blog basieren auf den Reisetagebuechern, die ich auf meinen Reisen durch China, Suedostasien und Indien mehr oder minder gewissenhaft gefuehrt und spaeter ergaenzt und ueberarbeitet habe.

 

Vor allem moechte ich mit dem Blog auch andere an meinen Reiseerfahrungen teilhaben lassen. Vielleicht enthaelt er auch die eine oder andere nuetzliche Information fuer Leute mit eigenen Reiseplaenen.

 

Da ich im Allgemeinen ohne lange Vorbereitung und mit einem einfachen Reisefuehrer im Gepaeck unterwegs bin, beschreibe ich lediglich, was ich sehe, ohne den Anspruch (jedenfalls gilt das fuer Indien und Suedostasien), ueber ein sehr fundiertes kulturelles Wissen zu verfuegen...

 

Mein besonderes Interesse beim Fotografieren gilt solchen "Lebenswelten", die im Verschwinden begriffen sind, etwa den Hutongs in Beijing, der Altstadt Chongqings oder manchen Maerkten in den indischen Metropolen.

 

Wie man beim Lesen des Blogs feststellen wird, sind fuer mich neben angenehmen und inspirierenden Erfahrungen auch Momente von Frustration und Aerger normaler Bestandteil jeder Reise. Um auch sie gerne in Kauf zu nehmen benoetigt man ein gewisses Mass an "Reiselust" oder - mit einem Wort, das ich sehr treffend finde - auch "Reisewut". 

 

 Ich wuensche viel Spass beim Anschauen und Lesen!

 

von Pengtou Bide
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Monday, 31. january 2011 1 31 /01 /Jan. /2011 12:19

India 015Bangalore heisst offiziell schon seit einigen Jahren "Bengaluru", was in der Landessprache Karnatakas ungefaehr "Stadt der gekochten Bohnen heisst". Mit dem - von den Engländern eingefuehrten - Namen Bangalore wollte man auch symbolisch das koloniale Erbe abschütteln. Doch nimmt es damit keiner hier so genau, und meist verwenden auch die Einheimischen weiterhin den Namen "Bangalore".

 

In der auf der Hochebene Karnatakas gelegenen Stadt ließ es sich bis vor einigen Jahren sicher ganz gut leben: Sie gilt als  modernste und am schnellsten wachsende Stadt Indiens, Hochburg der IT-Branche und der Vergnuegungen. Im Zentrum, in der Gegend der MG-Road (Mahatma-Gandhi-Road), gibt es zahlreiche Clubs, Bars, Shopping-Malls und Cafes, in denen IT-Jungmanager mit Designer-Sonnenbrillen ihren Cafe Latte schluerfen, waehrend modebewusste junge Inderinnen auf der Suche nach Schnaeppchen durch die Boutiquen ziehen. Ueberall gibt es Gruenanlagen und Palmen, die Bangalore einst den Ruf einer Gartenstadt einbrachten.

 

Offensichtlich aber wird die Stadt jetzt zum Opfer ihrer eigenen Erfolgsgeschichte: Sie platzt aus allen Naehten. Durch das dichte Strassennetz waelzt sich ein nicht endender Strom von PKWs, Bussen, Mopeds und Rikscha-Taxis, der zur Hauptverkehrszeit nicht selten  vollkommen zum Stillstand kommt. In manchen Gegenden liegt ein Abgasschleier ueber den Strassen, der die Sicht behindert und ein Kratzen im Hals verursacht. Wen wundert es in einer Stadt, in der jeden Tag ueber 1000 Fahrzeuge neu zugelassen werden.

 

Etwas  überraschend sind die schwarz-weiss-gescheckten Kuehe, die man manchmal, unbeein-

druckt von Lärm und Schmutz, am Straßenrand entlangtrotten sieht, und die nicht so recht zum Image des  "indischen Silicon-Valleys" passen wollen. Anders als ihre Schwestern vom Lande ernaehren sich diese Stadtkuehe nicht von Gras, sondern vom Muell, der an vielen Stellen auf dem Buergersteig zusammengekehrt wird.

 

                                                                       * * * 

 

Ich wohne in New-Tippasandra, einem Vorort, der  "besseren Zehntausend", in dem auch das Goethe-Institut seinen Sitz hat. Auf dem Weg dorthin komme ich an Arztpraxen, Spezialkliniken, Consulting-Bueros und Villen vorbei - manche noch im Kolonialstil erbaut oder ihn kopierend - vor deren Eingaengen  uniformierte Wachmaenner auf Klappstuehlen in der Sonne doesen. An Strassenecken werden Ananasse, Melonen und Kokusnuesse verkauft. Auf den wenigen und begehrten Baugrundstuecken stehen schon die Fundamente zukuenftiger Villen: "Don't enter, trespassers will be prosecuted", steht auf an den Bauzaeunen angebrachten Warnschildern. 

 

                                                                        

                                                                      * * *   

 

Ich bin nun seit etwas ueber einem Monat in Bangalore. Mit zwei Wochen Verspaetung war auch mein Rucksack aus Peking bzw. Chengdu endlich eingetroffen. Seine Entgegennahme am Flughafen, der weit ausserhalb Bangalores liegt, glich ein wenig Weihnachten - jener Mischung von Freude und subtiler Enttaeuschung, die Kinder manchmal empfinden, wenn ihre Wuensche in Erfuellung gehen. Beim Auspacken fand ich alles genauso vor, wie ich es erwartet hatte... 

 

                                                                      * * *

 

Mehr noch als in China verursacht Indien einem ein Wechselbad der Gefuehle: Intensive Gerueche und Farben, angenehm warme, um diese Jahreszeit fast ideale Temperaturen, delikate Speisen, frisches Obst, das ueberall auf den Strassen feilgeboten wird, die ueberwiegende Freundlichkeit der Leute, der unermessliche Reichtum einer Kultur, von dem man schon auf ersten Wochenendtrips eine Ahnung bekommt...

 

Die "andere Seite", das ist z.B.die Armut, die einem in Gestalt zerlumpter und mannigfaltig missgestalteter Bettler auf den Strassen begegnet, sowie noch einige andere - kleinere und größere - Irritationen, von denen ich nur einige nennen möchte:

 

 Buerokratie:  Mit ihr rechnet man am wenigsten als Indien-unerfahrener Reisender, kann aber manchmal schon bei der Visums-Beschaffung erste schmerzvolle Erfahrungen damit machen. Der Papierkrieg, den etwa schon die Beschaffung eines Handy-Anschlusses entfacht, ist schwer zu beschreiben: ellenlange Formulare, Passfotos, Arbeits- und Wohnungsbescheinigung, und die kleinen Angestellten z.B. der Telefongesellschaft verstehen bei der Ueberwachung der Formalitaeten keinen Spass!

 India 024

 

Verkehr:  In Bangalore wird manchmal schon das Ueberqueren einer Strasse zum Abenteuer, vergleichbar in etwa mit dem Ueberqueren eines reissenden Gewaessers bei unseren Vorfahren. Manchmal kann man am Strassenrand stehend schon die Hoffnung verlieren; tut sich endlich doch eine Luecke auf, heisst es, die Beine in die Hand nehmen, denn wer weiss, wann sich wieder so eine Gelegenheit bietet.

 

Fuer eine Kollegin war das taegliche Ueberqueren einer groesseren Strasse auf dem Weg zur Arbeit anfangs d a s  Problem ihres Indien-Aufenthalts...Ein schon seit Jahren in Bangalore lebender Architekt loeste es, indem er in solchen Situationen ein Rikscha-Taxi herbeiwinkte, bei der naechsten Gelegenheit wenden liess und dann sicheren Fusses auf der anderen Strassenseite wieder ausstieg.

 

 

Das Geheule:  In New Tippasandra schlafen alle Hunde tagsueber. Kein Wunder: Sind sie doch totmuede nach durchwachten erlebnisreichen Naechten. Von dem Geklaeffe, Geheule, das hier oft gegen Mitternacht anhebt und mit Unterbrechungen bis in den fruehen Morgen andauern kann, macht sich keine Vorstellung, wer es nicht selbst gehoert hat. Manchmal sehe ich vom Balkon aus zwanzig bis dreissig dieser zerzausten Kreaturen, die sich regelrechte Strassenschlachten liefern... 

 

Eine Erklaerung hierfuer ist das grosse Herz der Inder fuer Tiere: Sterilisation oder gar die Toetung von Hunden kommt nicht in Betracht, so dass sie sich ungehindert vermehren koennen.

 

In den letzten Tagen aber war zu sehen, dass auch die Geduld meiner indischen Nachbarn nicht unerschoepflich ist: Immer mal wieder sah ich jemanden im Bademantel auf die Strasse eilen, mit einem Stock bewaffnet oder mit Steinen werfend. Kein Wunder: Auch der sanftmuetigste Mensch muss bei diesen Klaengen zur Furie werden...

 

 

Kopfschuetteln:  Ich mochte diese Bewegung - ein Kopfschuetteln mit einer leicht wiegenden Bewegung - die mir schon bei meinen ersten Begegnungen auf dem Flughafen und im Hotel auffiel, von Beginn an.  Erst spaeter aber, nach etlichen kleinen Missverstaendnissen,  begriff ich, dass dies Kopfschütteln Zustimmung bedeutet.

 

Genau genommen funktioniert das indische Alphabet des Kopfschuettelns- und Nickens folgendermassen:

 

- Leichtes Kopfschuetteln mit wiegender Bewegung: "Ja" aber mit einem kleinen Fragezeichen

 

- Deutliches Kopfschuetteln ohne wiegende Bewegung: "Nein"

 

- Nicken: "Ja, sicher".

 

 

 

                                                                                        * * *

 

Bangalore selbst hat nur einige wenige touristische Attraktionen: Neben der MG Road sind dies etwa: der Botanische Garten mit hunderten alten und teils seltenen Baeumen und einem Nachbau des Londoner Kristallpalastes; der Sommerpalast des Maharadjas und einige hinduistische Tempel...

 

Mehr in dieser Hinsicht bietet das kleinere, etwa drei Busstunden von Bangalore entfernt liegende Mysore.

 

von Pengtou Bide
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Wednesday, 9. february 2011 3 09 /02 /Feb. /2011 13:59

mysore 01Die Fahrt mit dem Rikscha-Taxi von New-Tippasandra zum Busbahnhof Majestic dauert etwa 40 Minuten. Es geht mitten durchs Gewühle der Stadt, Regionen, in denen sich Bangalore von seiner schmutzig-grauen Seite zeigt und überall ein Abgas-Schleier über den Straßen liegt.

 

Drei Stunden dauert dann die Fahrt mit einem komfortablen Bus nach Mysore. Hier angekommen hat man das Gefühl, eine andere Zeitzone zu betreten: Das Tempo ist deutlich langsamer und man bekommt schon eine erste Vorstellung vom ländlichen Indien: Obst und -Gemüsemarkt auf den Straßen um den Busbahnhof, Kühe, Ochsen, Pferdewagen...

 

Da Hauptreisezeit ist, sind anscheinend alle Zimmer ausgebucht..Ich lande in einer Absteige der unteren Kategorie direkt am Marktplatz - und bereue es in dem Moment, in dem ich das Zimmer bezahlt habe.

 

In Mysore kann man noch am Abend ueber Maerkte und Basare schlendern, die Stadt ist stark muslimisch gepraegt, man sieht Moscheen, hoert manchmal die Gesaenge der Muezzin von allen Seiten.

 

Etwas schwierig ist es, an Bier zu kommen, wenn einem nach einem langen heissen Tag der Sinn danach steht:  Es gibt weit und breit nur eine kleine "Laden-Bar", in der die Trinkfreudigen (leicht aussaetzig anmutend) zusammenstehen und sich zuprosten. Aber heute Abend ist die Bar geschlossen (weil Wahlen sind). Vor einem Hotel nebenan steht ein findiger Geschaeftsmann, der all die frustrierten Auslaender abfaengt und in die Hotellobby umleitet, wo er mit "illegaler Ware" - gut gekuehltem indischem Kingfisher-Bier - handelt: "But don't show anybody" "Of course not, how could I!"

 

Am Abend begegne ich ich im Bad einer riesigen Kakerlake. Wir haben eine kleine Meinungs-verschiedenheit - ueber den Zustand des Hotels, wenn ich mich richtig erinnere - bevor ich sie mit einer Badelatsche erschlage. 

 

Zu den touristischen Hauptattraktionen Mysores zählt der Maharadja-Palast, lange Zeit Hauptquartier der Wodeyar-Maharadjas. Die Innenraeume dieses indo-sarrazenischen Prachtbaus zeugen von einem orientalisch-ueppigen Lebensstil, ganz wie man sich ihn in westlichen Fantasien ausmalt. Da der Andrang gewaltig ist, sind mir allerdings nur sehr fragmentarische Einblicke vergoennt. Sehenswert ist das Museum mit Kinderautos und -Kutschen, Musikinstrumenten und Gemaelden, die u.a  verschiedene Lebensstationen Krishnas, des Avatars Vishnus, zeigen.

 

Ein anderes Highlight ist  der Devarajala-Markt, wo neben Obst und Gemuese auch allerlei Rauchwaren, buddhistische und hinduistische Devotionalien und Duftstoffe verkauft werden. Der Markt ist ein Paradies fuer Liebhaber von Farben und exotischen Dueften. In endloser Kleinarbeit werden in kleinen Läden  Räucherstäbchen gerollt und Blumengirlanden geflochten. Immer wieder kommen Haendler auf mich zu, die ein paar Brocken Deutsch koennen, und Nina Hagen, die vor zwei Jahren ein Konzert in Bangalore gab, kennt anscheinend jeder hier...

 

Den Abschluss meines Mysore-Aufenthalts bildet am naechsten Tag ein Ausflug zum Chamundi-Hill, einer Erhebung im Westen der Stadt, auf der einer der aeltesten und bedeutendsten hinduistischen Tempel der Region steht, und von der man einen schoenen Ausblick auf die Stadt hat. Es gibt dorthin einen Linienbus, der ungefaehr eine halbe Stunde benoetigt.

 

Vor dem Tempel gibt es hunderte Meter lange Schlangen von opferbereiten Pilgern. Als Tourist oder betuchterer Einheimischer kommt man auch ohne Wartezeit ins Allerheiligste, wo man sich eine "Tilaka" - ein Segenszeichen - auf die Stirn malen und um ein paar hundert Rupien erleichtern lassen kann (wenn man sich der Prozedur nicht zeitig entzieht!)...

 

Der Abstieg nach Mysore ueber einen steinigen, von Affen belagerten Weg dauert noch einmal einige Stunden und wird mit schoenen Ausblickern ueber die Ebene von Mysore belohnt.

 

mysore 36

 

von Pengtou Bide
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Sunday, 20. february 2011 7 20 /02 /Feb. /2011 15:44

Hampi 72

Wenn man von Hampi spricht, meint man heute meist die mittelalterlichen Tempel- und Palastruinen, Ueberbleibsel des mittelalterlichen  suedindischen Vijayanagarar-Koenigreichs.

 Das moderne Hampi ist eine Ansammlung von Doerfern, in denen sich ein Hotel/Restaurant und Geschaeft ans andere reiht: Hampi Bazaar mit seinem Wahrzeichen, dem alles ueberragenden Virupaksha-Tempel, Kamalapuram und, auf der anderen Seite des Tunghabhadra-Flusses, Anegundi.

 

Etwa 35 Kilometer entfernt liegt die Provinzstadt Hospet, Wirtschaftszentrum und Verkehrsknotenpunkt der Region.

 

Die etwas unwirklich anmutende, mit Granitfelsen uebersaete Landschaft um Hampi befluegelte die Fantasie der Menschen schon immer zu Mythen und Legenden. Viele Inder siedeln hier das legendaere Affen-Koenigreich Kishkinda aus dem Nationalepos Ramayana an.

 

Einer anderen Legende zufolge hatten zwei lokale Fuersten auf der Jagd ein seltsames Erlebnis: Ihr Hund jagte schon seit Langem einen Hasen. Doch als sie in diese Ebene kamen, wurde der Hase ploetzlich mutig, drehte um und begann, den Hund zu jagen. Ein Guru, den sie befragten, sah darin ein Zeichen und riet ihnen, an jener Stelle eine Stadt zu errichten. Dies ist der Legende nach der Beginn des hinduistischen Reichs von Vijayanagarar.

 

Ueber vier Dynastien hatten hier in der  Zeit von 1336 bis 1565 ihre Hauptstadt. Hampi, das damals wie das Reich Vijayanagar hiess, stieg zum  vielleicht bedeutendsten Zentrum von Handel, Kultur und Religion in Suedindien auf  und erreichte seine hoechste Bluete unter Koenig Krishnadevaraya (1509 - 1529).

 

Im Jahr 1565 schlossen sich die nördlichen muslimischen Sultanate zusammen, attackierten  Vijayanagar und hinterliessen nichts als Ruinen. Hampi wurde bald  wieder, was es vor jener Hasenjagd gewesen war: eine Ansammlung von Doerfern in einer atemberaubenden Landschaft.

 

                                                               * * *


 

Gegen fuenf Uhr morgens stehe ich, noch etwas geraedert nach der Nachtfahrt ueber die Buckelpiste von Bangalore, auf dem Busbahnhof von Hospet. Die Rikscha-Taxifahrer, die mich anfangs umlagerten, lassen von mir ab, als ich ihnen sage, dass ich auf Mr. Seeth warte, einen ortsansaessigen Tour-Guide, den mir ein Bekannter in Bangalore vermittelt hat. Offenbar genießt er eine gewisse Reputationt: "Big Man, very experienced, he's in the "Lonely Planet", sagt einer... 

 

Als ich Mr. Seeth anrufe, schlaeft er noch, doch schon 20 Minuten spaeter kommt er mit seiner Rikscha angeknattert und hat auch schon einen massgeschneiderten Plan fuer die Besichtigung von Hampi und Anegundi parat. Seine Honorarvorstellung: "Pay what you like!" (eine nicht immer ganz einfache Regelung!)

 

Die Tour beginnt mit dem Virupaksha-Tempel in Hampi-Bazaar, der dem alles beobachtenden Gott des Westens geweiht ist und dessen zentraler Turm die Stadt und die Landschaft weit ueberragt.

 

Hampi 05

Auf der Fassade klettern Dutzende seidengrauer Makaken herum. Im Innenhof trifft man auf die vielleicht prominenteste Bewohnerin Hampis, die Elefantenkuh Lakshmi, die die Besucher gegen eine Rupie mit ihrem Ruessel "segnet". In der angenehm kuehlen Haupthalle Ranga Mandapa verbringen zwischen mit Loewen und Kriegern verzierten Saeulen indische Familien den Nachmittag beim Picknick.  

 

Etwa zwei Kilometer vom Virupaksha-Tempel entfernt liegt der anlaesslich des Sieges ueber das Reich Udayagiri (das heutige Orissa) erbaute Krishna-Tempel aus der Regierungszeit Krishnadevarayas. In dem schattigen Innenhof finde ich einen jener Momente der Ruhe und Inspiration, fuer die man die Strapazen des Reisens gern auf sich nimmt. Bemerkenswert sind die kunstvollen Reliefs auf dem Eingangstor, die vielleicht Szenen aus jener Schlacht gegen Udayagiri zeigen.

 

Einen Besuch wert ist der halb im Wasser versunkene "Underground-Temple", in dessen kuehlem und halbdunklem Innenraum abgesehen vom gelegentlichen Fluegelschlag einer Fledermaus kein Laut zu hoeren ist.

 

Das Herzstueck von Hampi ist der  koenigliche Bezirk mit den Elefantenstaellen, dem fuer die Koenigin erbauten Lotuspavillion und den Prinzessinnenbaedern, in denen man eine Vorstellung vom luxurioesen Leben der Herrscher Vijayanagars bekommt. Die Anlage ist eingebettet in eine Landschaft, in der man stundenlang umherwandern und immer neue Entdeckungen machen kann.

 

Etwas abseits liegt der fuer seinen besonders reichen Figurenschmuck bekannte Vittala-Tempel. Prunkstueck der Anlage ist eine aus Stein gehauene Elefantenkutsche, deren Raeder urspruenglich beweglich waren. 

 

Hampi 54

 

 

                                                                    * * *

 

                                                                                                                                                                                      

 

 

 Am nächsten Morgen bringt mich  Mr.Seeths Bruder mit dem Riksha-Taxi zum Tunghabadra-Fluss bei Hampi-Bazaar. Setzt man mit einer kleinen Faehre uber den Fluss, gelangt man nach wenigen Minuten Fussweg nach Anegundi, einem Dorf, das sich noch etwas von der Urspruenglichkeit erhalten hat, die man in Hampi-Bazaar kaum noch findet.

 

 

Hier bekommt man noch einen Eindruck von der Gemaechlichkeit des doerflichen Lebens in Suedindien. Man kann durch das Labyrinth der Gaesschen laufen, sich die zum Teil winzigen und doch auf eine Art vornehmen, saeulenverzierten Haeuschen anschauen, Frauen beim Mahlen von "Chutney" oder beim Wäsche Waschen im Tunghabadra-Fluss zuschauen.

 

Als ich durch das Dorf komme, ist es gegen Mittag. In einer "Veranda-Schule" werden eben zwei Schulklassen unterrichtet, im zentralen Tempel des Dorfes hockt ein Priester ins Gebet versunken, vor dem Eingang lungert ein ausgemergelter Sadhu herum, der auf ein paar Rupien von den Besuchern hofft...

 

Anegundi ist der Legende nach die Hauptstadt des Affen-Koenigreichs Kishkinda. Viele Pilger kommen deshalb hierher, um den Hanuman-Tempel, die angebliche Geburtsstaette des Affengottes Hanuman, zu besuchen.

 

Man gelangt dorthin durch eine etwa einstuendige Wanderung am Tunghabadra-Fluss entlang. Die Landschaft hier ist fruchtbarer und weniger karg als auf der anderen Seite des Flusses. Auch hier gibt es die Granitfelsen, doch es dominiert das leuchtende Gruen der Palmenhaine, Reisfelder und Bananenplantagen.

 

Hampi 87

  

Immer wieder kommen Gruppen von westlichen Reisenden (Typ: Rucksacktouristen) auf Fahrraedern vorbei sowie junge Inder auf Motorraedern, oft zu zweit auf schweren Maschinen, in Badelatschen und mit wehendem Haar. Manche halten an und bieten mir an, mich mitzunehmen, was ich aber dankend ablehne.

 

Der Tempel liegt auf einer Anhöhe, auf die man über eine steile Treppe gelangt und von der man einen herrlichen Blick ueber die Ebene von Anegundi und den Tungahbadra hat. An die Aussenwand  der weissgekalkten Anlage steht mit grossen roten Buchstaben gepinselt: "birthplace of lord hanuman". Ein Hinweis, dem man nicht zu viel Bedeutung beimessen sollte: Der "Goetter-Geburtsstaetten-Tourismus" ist ein florierendes Geschaeft in Indien.

 

Hampi 9994Im Inneren des Tempels gibt es eine kleine Opferstelle mit einem Bild des Affengottes.  Hanuman, dessen Heldentaten im "Ramayana" besungen werden,  ist ein Gefolgsmann des Gottes Rama, der mit seiner Affenarmee dessen Frau Sita aus den Fängen des Dämonen Rawana in Lanka befreit. Wegen seiner großen Hingabe und Opferbereitschaft wird er von einigen hinduistischen Gruppen als Magier und Meister über Zauberkräfte (Siddha) verehrt. Vor allem unter der laendlichen Bevoelkerung Suedindiens erfreut er sich immer noch grosser Beliebtheit.

 

 

Die Besucher des Tempels, Frauen in Saris und Maenner mit Turbanen in leuchtenden Farben, entbieten dem Gott ihre Verehrung, indem sie ihm Opfergaben, meist kleinere Geldbeträge, darbringen.

 

Neben dem Eingang im Innenraum ruht/schlaeft, unbeeindruckt vom Kommen und Gehen um ihn herum, ein weinrot gewandeter Guru, der mit langen Haaren, Bart und friedvollen Gesichtszuegen ausschaut, wie man sich eine indische Inkarnation von Jesus Christus (oder eine Bollywood-Darstellung desselben) vorstellt.

 

Die Treppe zum/vom Tempel wird belagert von Affen, die hier Narrenfreiheit genießen und von den Pilgern  mit Obst und Nüssen gefüttert werden.

 

                                                                        * * *

 

Irgendwo am Tunghabadra-Fluss soll  es eine "Alte Bruecke" geben, ueber die man zurueck nach Hampi-Bazaar gelangt. Als ich sie nach ueber zweistuendigem Fussmarsch immer noch nicht erreicht habe, wird klar, dass ich mich hoffnungslos verlaufen habe.

 

Mit einem privaten Shuttle-Bus fuer Landarbeiter und Schulkinder gelange ich in irgendeine Provinzstadt und von dort gegen Abend wieder nach Hospet.

 

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von Pengtou Bide
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Wednesday, 30. march 2011 3 30 /03 /März /2011 16:37

Kerala  

 

  Kerala 113

 

 "Welcome to Gods own country" liest man auf Begrüßungsschildern am Flughafen von Kochi. Kerala gilt als einer der schoensten und wohlhabendsten Staaten Indiens. Bemerkenswert ist die Alphabetisierungsquote von 95%. Bekannt ist die Region auch für ihren vergleichsweise langsamen, entspannten Lebensrhythmus.   

 

Bis man die Altstadt von Kochi erreicht, muss man sich allerdings noch etwas gedulden. Die Busfahrt dauert etwa eineinhalb Stunden, die meiste Zeit geht es durch die graue und wenig interessante Neustadt von Ernakulam.

 

In Fort Kochin angekommen, lasse ich mir - ganz gegen meine Gewohnheit - gleich vom Busbegleiter ein Hotel empfehlen, keine fünf Minuten spaeter kommt der Besitzer mit dem Motorrad, um mich abzuholen.

 

"Jojies Home Stay " ist ein Hotel mit einer angenehmen, familiären Atmosphäre. Die Art, wie Jojie und seine Frau für das Wohlergehen der Gäste sorgen, ist persönlich, ohne dabei aufdringlich zu sein. (Was wahrscheinlich nur bei der derzeit geringen Auslastung der Zimmer möglich ist): Jojie bringt mich in ein Restaurant, in dem es westliche Snacks gibt, organisiert mir, nachdem er mich zu einem Theaterbesuch ueberredet hat, auch gleich die Eintrittskarte und bringt mich zum  Aufführungsort.

 

So sitze ich nur eineinhalb Stunden nach meiner Ankunft in einer Aufführung des traditionellen Kathakali-Theaters - und bereue dies durchaus nicht: Spannend sind vor allem die Masken, deren Herstellung Teil der Vorstellung ist, die Musik (Trommeln, ein Sänger mit zwei kleinen Becken) sowie die Präsentation der Zeichensprache und Farbensymbolik des Theaters. Das Stück dagegen, eine Episode aus dem "Mahabaratha", in der der Held Bhima den Dämonen Baka zur Strecke bringt, erschliesst sich Nichteingeweihten kaum ohne das an der Kasse ausgegebene Handout. 

 

Kerala 033

 

 

  Am Ende siegt der Träger der grünen Maske. In Kerala ist Grün immer die Farbe der Hoffnung.

 

                                                                                           

                                                              * * *

 

 

Auf dem Heimweg zum Hotel gibt es ploetzlich einen Stromausfall - komplette Dunkelherit, Orientierung ausgeschlossen - da haelt auf der gegenueber liegenden Strassenseite ein Motorrad an, und wer sollte es anders sein als der allgegenwaertige Jojie...

 

Jojie war lange bei der indischen Marine. Spaeter arbeitete er als "Verkehrs-Supervisor" am Flughafen von Kuweit und kehrte erst vor einem halben Jahr in seine Heimat Kerala zurueck, um ein Hotel zu eroffnen. Vor allem ist ihm daran gelegen, dass seine Kinder hier aufwachsen.

 

Spaeter am Abend bringt er mich ins neu eröffnete Restaurant "Oceano", in dem ich ein Thunfisch-Curry esse, das mich meine (an sich nicht so hohe) Meinung von Meeresfrüchten überdenken lässt!

 

Schwierig ist es, wie so oft in Indien, an ein Bier zu kommen: Außer einigen vermutlich überteuerten Clubs gibt es  nur eine Bar in der Altstadt, die nicht eben einladend ist, eher einer Tankstelle gleicht, in der die ueberwiegend ausländischen Gäste mit Kingfisher-Bier abgefüllt werden... 

 

Auf dem Weg zum Hafen sehe ich einen Mann bewegungslos auf dem Rücken am Strassenrand liegen, unbeachtet von den Passanten. Als ich etwa eine halbe Stunde spaeter wieder an der Stelle vorbeikomme, liegt er immer noch da, in unveraenderter Haltung.

 

                                                                     

                                                               * * *

 

Am zweiten Tag leihe ich mir ein Fahrrad, um das recht weitlaeufige Fort Kochi naeher zu erkunden.

 

Kochi ist eine der fruehesten "multikulturellen" Staedte Suedasiens. Vor allem war es in der Geschichte immer ein wichtiger Umschlagplatz des Gewürzhandels. Die Region ist berühmt  für ihren schwarzen Pfeffer.

 

Ueberall sieht man noch den Einfluss der Portugiesen, die hier Anfang des 16. Jahrhunderts ihre erste Handelsniederlassung gruendeten. Die St. Francis Church im Zentrum ist die erste europäische Kirche auf indischem Boden. In ihr findet sich die Grabstaette Vasco da Gamas, der in Kochi starb (dessen Gebeine aber spaeter nach Lissabon gebracht wurden.)

Kerala 010

 

Erst ist es in der Kirche wunderbar ruhig, dann kommen zwei oder drei Reisebusse vorgefahren, die innerhalb weniger Minuten eine riesige Reisegruppe ausspucken. Allem Anschein nach sind es pensionierte hollaendische und amerikanische Priester, mit grossen Entdeckeraugen, vielleicht auf einer Rundreise zu den denkwuerdigen Kirchen dieser Erde...

 

Etwa  fuenf Kilometer von hier entfernt im Stadtteil Mattancherry gibt es ein holländisches Schloss aus der Zeit der hollaendischen Kolonialherrschaft im 17. Jahrhundert, als die Niederlaendische Ostindien-Kompanie in Kochi einen Stuetzpunkt hatte. Das Schloss ist in eine noch aeltere hinduistische Tempelanlage eingebettet.

 

Betritt man, von den orientalischen Basarstraßen Mattancherrys kommend, die kuehlen und halbdunklen, niederlaendisch-puritanischen  Innenraeume, erlebt man beinahe eine Art kleinen "umgekehrten" Kulturschock. Es gibt hier eine Ausstellung zur Geschichte der Region: Sänften, Throne, alte Karten sowie eine Galerie der Maharadjas von Kochi im Stile alter holländischer Meister.

 

 

An die Ära der Holländer erinnert auch ein schön verwilderter holländischer Friedhof nahe der St. Francis Church.

 

Keine fuenf Minuten vom Schloss entfernt stoesst man inmitten des Labyrinths der Altstadtgaesschen auf die vierhundert Jahre alte juedische Synagoge. Erbaut wurde sie von Juden, die um 1524 von arabischen Invasoren aus ihrer urspruenglichen Heimat Cranganore an der Malabarkueste vertrieben wurden und in Kochi Zuflucht fanden. Von der urspruenglich grossen Gemeinde der "Cochin-Juden" leben allerdings nur noch etwa 20 im heutigen Kochi.

 

Rings um die Synagoge befinden sich zahlreiche Antiquitaetengeschaefte mit viel Kitsch aber anscheinend auch echten altindischen Kostbarkeiten.

 

An der Kueste von Fort Kochi sieht man ueberall die chinesischen Fischernetze mit ihren schweren Holzkonstruktionen, die längst zum Wahrzeichen der Stadt geworden sind. Sie sollen schon im 13. Jahrhundert durch chinesische Kaufleute vom Hof Kublai Khans eingefuehrt worden sein. Die Fische, die man mit ihrer Hilfe vom Meeresgrund heraufholt, werden am Ufer in Fischbuden und an Ständen verkauft, teils auch gleich gebraten und verspeist...

Kerala 057-1

 

Fährt man vom Zentrum aus  an der Küste entlang Richtung Süden, kommt man an Luxusvillen mit parkähnlichen Gärten vorbei. - Wenn Inder es zu Wohlstand bringen, kennen sie meist keine Hemmungen, es auch zu zeigen!

 

Zahlreiche Spuren hinterlassen haben in Kochi  natürlich auch die etwa 150 Jahre britischer Kolonialherrschaft vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1947.

 

 

 

                                                                   * * *

 

 

Der Rikschafahrer, der mich zum Busbahnhof brachte, hatte mich schon gewarnt: "It will be tiring!" Längere Fahrten mit Linienbussen sind in Indien selten  bequem und können (wenn man westliche Standards gewöhnt ist) qualvoll werden. Dieser hier ist auf der etwa dreistündigen Fahrt nach Alleppey zum Bersten voll. Als er sich endlich soweit geleert hat, dass man gerade stehen kann, hält er auf dem Busbahnhof einer Provinzstadt und es gibt "Nachschub"...Einmal wird ein Platz frei, auf den ich mich erleichtert fallen lassen möchte, da werde ich von empörten Frauen weggescheucht: "Ladys section!" Frauen und Männer sitzen im konservativen Kerala auf getrennten Sitzen.

 

Alleppey ist keine Stadt, in der man sich  länger aufhalten muss. Im wesentlichen ist es das Tor  zu den berühmten "Backwaters", einem weitverzweigten System von Wasserwegen, das auf der einen Seite bis an die Küste und auf der anderen bis tief ins Inland hineinreicht. Ein bei betuchteren Indern wie Ausländern beliebtes Erholungskonzept ist es, sich auf einem Hausboot tagelang in den Gewässern treiben und von der tropischen Landschaft mit Palmenhainen, Dörfern, Tempeln und Seelilienfeldern inspirieren zu lassen.  

 

Abends in Alleppey sitze ich im Schmuckladen von R., der aus der Himalaya-Region in Nordindien stammt und bespreche mit ihm die verschiedenen Möglichkeiten, die Backwaters zu erkunden: Man kann morgens mit dem Linienschiff der staatlichen Schiffahrtsgesellschaft über die große Route direkt nach Kollam fahren - R. nennt es den Highway - oder auf einem Kanu einen halben Tag lang durch die zahlreichen Nebenarme paddeln und Station in einigen kleinen Dörfern am Ufer machen.

 

R. kann mir eine solche Tour organisieren. Als ich ihn vielleicht etwas skeptisch anschaue, wird er grundsätzlich: "We only have a short stay here on earth, then we disappear and only come back maybe hundred years later. So how could I cheat you?" 

Kerala 093

 

                                                  

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Am Ende entscheide ich mich doch für den "Highway" - aus Zeitmangel ebenso wie aus finanziellen Erwägungen. So nehme ich am nächsten Morgen das Linienboot nach Kollam. Außer mir sitzen auf dem Oberdeck noch ein junges polnisches Pärchen, das auf den Spuren Buddhas durch Nordindien gereist ist und vor der Heimkehr noch einen kurzen Abstecher nach Kerala macht, eine Lehrerin aus Bayern und noch eine andere deutsche Frau...

 

Die Inder sitzen lieber auf dem weniger der Sonne ausgesetzten Unterdeck.

 

 

Kerala 139Die ersten zwei bis drei Stunden geht es über mittelgroße Wasserwege, die von dichtem tropischem Gehölz umgeben sind. Der Verkehr in den Backwaters besteht größtenteils aus Hausbooten, sowie kleinen Kanus, mit denen die Einheimischen  Früchte, Kokusnüsse und Gewürze transportieren. Fuer sie sind die "romantischen" Flussarme Handels- und Verkehrswege, durch die sich ihnen die Region erschliesst.

 

Immer wieder sieht man auch die Boote von Arbeitern, die mit Eimern Sand vom Grund der Gewässer schoepfen. - Eine Knochenarbeit, mit der sie aber angeblich vier- bis fuenfmal soviel verdienen koennen wie etwa auf den umliegenden Kautschuk-Plantagen.

 

Einmal bleibt das Schiff ploetzlich liegen, der Motor ueberdreht und geht schliesslich ganz aus. Grund ist, wie die Besatzung nach einiger Zeit herausfindet, ein Seil, das zwischen beiden Ufern gespannt war. Einige Stuecke davon haben sich in der Schiffsschraube verfangen. Nachdem der Kapitaen selbst sie mit einem Messer herausgeschnitten hat, kann die Fahrt nach etwa einer Stunde weitergehen.

 

 

Zwei Stunden lang gibt es dann wieder nichts als Urwald, Kautschuk-und Kaffee-Plantagen, kleine Doerfer mit Waesche waschenden Frauen am Ufer, spielende Kinder, Elefanten, Hausboote, mit Kokusnuessen beladene Kanus...Dann sieht man in der Ferne ein rosafarbenes fuenfzehnstoeckiges Hochhaus aus dem Urwald emporragen, bei dem es sich, den Beschreibungen einer Bekannten zufolge, nur um"Amritapuri", den Ashram von Mata Amitanandramayi Math handeln kann.

                                                                                                                                                      

Kerala 175Beruehmtheit erlangte Mata Amitanandramayi, kurz Amma oder die "Hugging Mother"

genannt,  als eine der ganz wenigen weiblichen Gurus Indiens sowie durch die vermeintlich heilkraeftigeWirkung ihrer Umarmungen. Heute zieht ihr Ashram einen nicht versiegenden Strom von Pilgern aus aller Welt an. Deren Wunsch nach Ammas ganz persoenlicher Zu- wendung kommt sie mit regelmaessigen "Darshans" (Segnungen) nach, in deren Verlauf sie manchmal in wahren Umarmungsmarathons tausend und mehr Menschen an sich drueckt. Insgesamt sollen es bis heute ca. 26 000 000 gewesen sein! Einen Namen ueber Indien hinaus machte sie sich durch  karikative Aktivitaeten, etwa den Bau von hunderten Haeusern fuer die Opfer der Tsunami-Katastrophe, eines Krankenhauses, die Gruendung einer Universitaet usw.

 

Mit zwei anderen Passagieren verlasse ich das Schiff an der Anlegestelle des "Amritapuri". Im Ashram sieht man zu etwa 70% Frauen, ueberwiegend weiss gekleidet, aller Nationalitaeten. Man trifft hier die Lehrerin aus Hamburg ebenso wie die Aerztin aus Schweden, den Studenten aus Iowa/USA oder die Kuenstlerin aus Mumbai...

 

Mein Kommen bereue ich spaetestens in dem Moment nicht mehr, als ich im fuenfzehnten Stock, wo man mir ein Zimmer zugeteilt hat, den Fahrstuhl verlasse: links weite Sicht ueber die Backwaters, rechts hinter Kokospalmen der Indische Ozean und ein kraefiger Wind, der durch das offene Treppenhaus weht: Der Ort hat Atmosphaere und ist sicher nicht schlecht gewaehlt fuer einen Ashram!  

Kerala 179

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Kern der Anlage bildet das Geburtshaus Mata Amatanandramayis mit einem kleinen Tempel sowie ein spaeter entstandener  groesserer representativer Tempel  mit Verwaltungsraeumen. Es gibt Wohnblocks um die immer zahlreicheren Besucher unterzubringen, eine Gebetshalle fuer die Darshans und andere Grossveranstaltungen, ein ayurvedisches Krankenhaus, mehrere Restaurants, eine "Saft-Bar" sowie einen Swimming-Pool...

    

Leider ist die "Hugging Mama" mit ihrer Gefolgschaft auf einer ihrer zahlreichen Reisen unterwegs, so dass mir eine persoenliche Segnung verwehrt bleiben wird.

 

Etwa hundert Meter vom Ashram entfernt gibt es einen Strand, der bei Sonnenauf  und -untergang fuer die Meditation reserviert ist und an dem das Gebot absoluter Stille herrscht. Einige Dutzende Meditierende sitzen dann hier, den Blick aufs Meer hinaus gerichtet, und es ist so still, dass man eine Stecknadel fallen hoeren koennte, waere da nicht das Meeresrauschen.

 

Am Abend sitze ich mit anderen Reisenden im Restaurant, versuche Daal mit den Fingern zu essen, was eine recht klebrige Angelegenheit wird und erfreue mich an den Delikatessen der Saft-Bar.

 

                                                                   * * *

 

Was mich am naechsten Morgen, obwohl ich eine gute Nacht im Ashram verbracht habe, etwas stoert, ist ein gewisser Krankenhausgeruch von ayurvedischen Kraeutern und Medizinen, der ueberall in den Fluren haengt und mich in dem Entschluss, nur eine Nacht hier zu verbringen, bestaerkt.

 

 

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  Kleines Fegefeuer, Kollam, nachmittags um halb drei

So stehe ich am naechsten Nachmittag um halb drei an einer Bushaltestelle in Kollam, etwa eine Busstunde suedlich vom Ashram und weiss nicht, welchen Bus ich nach Varkala (eins der beiden "Badeparadiese" in Kerala) nehmen muss. Fahrplaene gibt es nicht, aus einem Lautsprecher neben der Haltestelle droehnt Musik in einer Phonstaerke, dass ich mein eigenes Wort nicht verstehe...Als etwa zwanzig bis dreissig Busse vorbeigefahren sind, ohne dass ich mich verstaendlich machen konnte, versteht doch einer der anderen Wartenden ploetzlich mein "VARKALA", das ich ihm ins Ohr gebruellt habe und zeigt mir einen Bus, der in die richtige Richtung faehrt...

 

                                                                    * * *

 

Die naechsten zweieinhalb Tage sind Badeurlaub pur und Erholung von den Stressen Bangalores: Ein Bungalow, keinen Steinwurf vom Meer entfernt, ein kleiner fast menschenleerer Strand mit Fischerbooten, kilometerlange Wanderwege an der Kueste entlang, kreisende Milane, niedliche schneeweisse Zicklein und Meeresrauschen... 


Kerala 216


 

                                                                 

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Der Kellner des Strandrestaurants, in dem ich ein Fisch-Marsala esse, schwoert bei Allah, dass der Fisch frisch sei.

 

 

                                                                   * * *

 

 

Statistisches am Strand: In Kerala sterben mehr Menschen durch von Palmen herabfallende Kokusnuesse als durch Blitzschlag.

 

 

                                                                   * * *

 

 

Anhang: Irgendwann beginne ich mich ueber solchen Meditationen am Strand zu langweilen und es zieht mich noch einmal in die Backwaters.

 

Mit dem Zug benoetigt man von Varkala aus eine Stunde bis Kollam. Hier kann man Bootsfahrten auf der kleinen Insel Munroe buchen, die am Zusammenfluss von Ashtamudi-See und Kallada-Fluss gelegen ist und von manchen Reisefuehrern als Paradies unberuehrter Natur beschrieben wird. Der Transfer dorthin mit dem Bus dorthin dauert noch einmal 45 Minuten.

 

Statt Strassen und Wegen gibt es auf Munroe-Island nur eine Netz von Kanaelen, auf dem sich die Bewohner mit Kanus fortbewegen. Mit einer kleinen Reisegesellschft -  zwei amerikanischen Studentinnen, Ajay, einem Journalisten aus Delhi, seinen Eltern sowie einem Tourguide - besteige ich gegen Mittag das fuer uns bereitliegende Knau.

 

Wir fahren durch Plantagen von Kokusnuessen und Roten Mangroven und an Wasserlilienfeldern vorbei. In einem Dorf, in dem wir Station machen, schauen wir Frauen bei der Herstellung von Seilen aus Kokusgeflecht sowie der Gewinnung von Kokusoel zu, kosten die hier ueberall wachsenden Cashewnuesse und schwarzen Pfefferschoten..

 

Auf der Insel laufen eben die Vorbereitungen fuer ein Fest: bunte Papierfiguren werden an den Ufern der Kanaele aufgestellt, ein Elefant wird geschmueckt und einige Bewohner tragen schon Festtagskleidung...

 

Gegen Ende unserer Rundfahrt sitze ich im Kanu neben Ajays Vater. Es gibt etwas, auf das er sehr stolz ist, und das er mir nach kurzem Vorgeplaenkel auch anvertraut: Sein Sohn hat ein Lied geschrieben, das nun der Titelsong eines Bollywood-Films ("Jail") ist, gesungen von Lata Mangeshkar, der Grand Old Lady des indischen Gesangs.  

 

 http://www.smashits.com/jail/daata-sun-le-maula-sunale/song-185056.html
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von Pengtou Bide
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Profil

  • Pengtou Bide
  • Blog von Dirk Steinmann
  • 27.10.1960
  • Berlin Beijing Bangalore
  • Freelancer
  • I was born in Cologne, lived in Berlin for 20 years, where I finished my studies and staged a series of theatre productions. After some long journeys I'm presently living in Beijing and in Bangalore/India.

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